Die Nachbarschaftshilfe wächst
"Die Nachbarschaftshilfe im Wallis wächst." - Bericht im Walliser Boten vom 22. August 2025
Seit vier Jahren gibt es die Nachbarschaftshilfe im Goms. Und bald wird ein weiterer Standort im Oberwallis tätig.
Rachel Kohlbrenner
Alex Agten sitzt am Donnerstagmorgen an einem Tisch im Sitzungszimmer des Fiescher Alters- undPflegeheims. Vor ihm Eleonora Volken und Franziska Weger.
Alex Agten ist Präsident der Nachbarschaftshilfe im Goms, Volken und Weger bekleiden die Geschäftsleitung. Die drei reden über die vergangenen Jahre. Denn im Dezember ist die Pilotphase der KISS Genossenschaft um, wie die Nachbarschaftshilfe im Goms heisst. KISS steht für den Leitsatz «Keep it small and simple» (zu Deutsch: Es klein und einfach halten). Seit 2021 unterstützt diese Genossenschaft die Menschen im Goms. Was KISS vor allem braucht, ist finanzielle Unterstützung. Während der Pilotphase wurde KISS finanziell von öffentlichen Organisationen, von KISS Schweiz, dem Kanton und den Gommer Gemeinden unterstützt. Mit Ablauf dieser Phase müssen diese Vereinbarungen jedoch wieder neu getroffen werden.
Agten, Volken und Weger hoffen auf weitere finanzielle Unterstützung. Ohne diese könnten sie nicht weitermachen. Die KISS Genossenschaft dient als ergänzende Unterstützung für Jung und Alt. Beispiele sind die Begleitung zum Arztbesuch, Post abholen oder Einkäufe tätigen für weniger mobile Leute. Auch Angehörige werden entlastet – etwa Leute, die einen Ehepartner mit beginnender Demenz haben. Es sei wichtig, dass nicht nur die älteren Personen unterstützt würden, die Genossenschaft sei für alle da, sagt Franziska Weger.
Und dennoch sei es für viele, die Unterstützung im Alltag bräuchten, noch immer eine Hürde, in die Nachbarschaftshilfe einzutreten. Aussagen wie «Ich brauche das noch nicht» hören Eleonora Volken und Franziska Weger häufig. Am 12. September findet das nächste KISS Café statt, in dem Interessierte und Mitglieder zusammenkommen. Das Café dient auch als Schnuppertag für Interessierte und findet viermal jährlich unter einem spezifischen Thema statt. Dieses Mal lernen die Teilnehmenden, wie Pflegebedürftige möglichst schmerzfrei bewegt werden können. Bei der Nachbarschaftshilfe gehe es nicht nur darum, die «Alten» zu unterstützen, viele würden auch in die Genossenschaft eintreten, um Menschen kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen, so Eleonora Volken. Ein weiterer Anlass, der bald anrückt, ist das Mitgliedertreffen.
Momentan hat die Nachbarschaftshilfe 137 Mitglieder. Bei diesem Anlass gehe es in erster Linie darum, den Mitgliedern für ihren Einsatz zu danken, so Franziska Weger. Dieser ist freiwillig und unentgeltlich. Doch die Stunden, die die Freiwilligen leisten, werden ihnen auf einer Art Konto gutgeschrieben, falls sie selbst einmal Hilfe benötigen sollten.
Die KISS Genossenschaft im Goms gehört zu den ersten Nachbarschaftshilfen im Wallis, nun wächst das Angebot im Kanton. In der Region Belalp/Simplon gründete man kürzlich eine weitere KISS Genossenschaft. Bereits jetzt seien beide Genossenschaften in Kontakt und würden einander bei Fragen helfen, sagt Eleonora Volken. Franziska Weger, Eleonora Volken und Alex Agten sind sich sicher, dass in Zukunft noch weitere KISS-Standorte im Wallis hinzukommen.